† 11.04.2026
Am Boden eines kleinen ruhigen Teiches im Halbdunkel lebte eine Gemeinschaft von zufriedenen Wasserkäfern. Immer wieder bemerkten die jedoch, dass der eine oder andere von ihnen anscheinend das Interesse daran verlor, bei ihnen zu bleiben. Er klammerte sich dann an den Stängel einer Seerose und kroch langsam daran empor. Dann wurde er nie wieder gesehen. Eines Tages, als dies wieder geschah, sagten die Wasserkäfer: "Da klettert wieder einer unserer Freunde den Stängel empor. Aber obwohl sie genau zuschauten, entschwand auch dieses Mal der Freund aus ihren Augen. Sie warteten noch eine lange Zeit, aber er kam nicht zurück. "Ist das nicht merkwürdig,? War er denn hier nicht glücklich bei uns? Wo er jetzt wohl ist?" Keiner wusste eine Antwort. Sie standen alle vor einem Rätsel. Schließlich berief der Älteste der Käfer eine Versammlung ein. "Ich habe eine Idee", sagte er. "Der Nächste, der von uns empor klettert, muss versprechen, dass er zurückkommt und uns erzählt, wohin er gegangen ist und warum." Sie versprachen es feierlich. Bald danach bemerkte genau der, der den Vorschlag gemacht hatte, dass er selber empor kletterte, die Wasseroberfläche durchbrach und auf ein großes, grünes Seerosenblatt fiel. Als der Wasserkäfer wieder zu sich kam, blickte er verwundert um sich und konnte nicht glauben, was er da sah, Als er seinen Körper neugierig betrachtete, fiel sein Blick auf vier glitzernde Flügel und einen langen Hinterleib. Er spürte ein Verlangen, seine Flügel zu bewegen. Er bewegte sie - und plötzlich, ohne zu wissen wie, flog er. Der Wasserkäfer war eine Libelle geworden. Sie fühlte sich wunderbar in diesem so fremden Element. In diesem Moment sah die Libelle hinunter ins Wasser. Und da waren ihre alten Freunde, die anderen Wasserkäfer am Boden. Jetzt erinnerte sich die Libelle an ihr Versprechen. Ohne lange zu überlegen, stürzte sich die Libelle hinab, um ihren alten Freunden zu berichten. Aber sie prallte an der Wasseroberfläche ab. "Ich kann nicht zurück" sagte sie traurig. "Ich habe es versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Und, selbst wenn ich zurück könnte, keiner der Freunde würde mich in meinem neuen Körper erkennen." Und ihr wurde klar, "Ich muss wohl warten, bis sie ebenfalls Libellen sind. Dann wissen sie selbst, was mir widerfahren ist und wohin ich gegangen bin." Und damit flog die Libelle glücklich empor, in ihre wunderbare neue Welt aus Licht und Luft .
Liebe Heidi, liebe Vroni und lieber Robert mit Familie! Gerhard hat die Geschichte von der Libelle, die ich auf der Beerdigung meines Vaters vorgelesen habe so gut gefallen, dass es mir ein Anliegen war, sie euch zum Trost auch zu schicken. Ich wünsche euch ganz viel Kraft, alles Liebe, Petra